Eine Masterthesis von Helen Neuenkirchen und Katharina Lind.
Der Tunnel der Autobahnüberbauung Schlangenbaderstraße bewegt die Gemüter der Stadt. Die Verkehrswende und der Wartungsstand des Tunnelraums haben zu einer Schließung des Autobahnabzweigs A104 geführt. Doch wie geht man mit einem 600 m langen Raum ohne Licht mitten in der Stadt um?

 

Um eine produktive und nachhaltige Stadtentwicklung zu fördern, wollen wir den Raum aktivieren – und so die asbestverseuchte Megastruktur aus den 70ern ihrem Denkmalstatus angemessen sowie ökonomisch und sozial verträglich sanieren und für die nächsten 50 Jahre wappnen. Dafür wird in einer ersten Phase der Tunnel saniert und zu einer mehrstöckigen Produktionshalle umgebaut. Im Süden wird die Megastruktur um einen Kopfbau ergänzt, der die neuen Prozesse nach Außen repräsentieren soll. Dort werden auch Wohnungen geschaffen, die für das im Anschluss stattfindende Modellprojekt „Asbestsanierung Schlangenbaderstraße“ Ausweich-wohnungen für die Mieter zur Verfügung stellen, damit diese ihr soziales Gefüge in der Schlange nicht verlassen müssen. Aus dem Bauch der Schlange werden sowohl die Bauteile für die Sanierungsabschnitte, als auch die Ergänzung im Süden hauptsächlich digital gefertigt. Beliefert wird das neue Innovationszentrum über die A100 und den nördlichen Abschnitt der A104. Die Westlichen Spuren der Strecke werden weiterhin als grüne Vernetzung für Fahrrader und nachhaltige Mobilitäs- konzepte behalten. Auch der Rest der Stadt wird von der Transformation und der urbanen Holzindustrie profitieren.

Der Bauch der Schlange wird zum Innovations- zentrum im südlichen Zentrum Berlins. Das Innovationszentrum gliedert sich in drei wesentliche Abschnitte – den Tunnel, die Ergänzung und das bestehende Parkhaus der Großstruktur.Im Bauch der Schlange wird die östliche Fahrbahn aktiviert und transformiert. Lediglich ein Fragment der östlichen Tunnelstruktur bleibt bestehen und öffnet den Raum so in einen mehrgeschossigen Raum, der durch die Foyers der Wohnungen in 7 Hallen gegliedert wird. Der Produktionsablauf im Tunnel durchläuft verschiedene Gewerke. Über ein Förderband, welches auf Fragmenten der alten Tunnelstruktur läuft, werden die Materialien und gefertigten Bauteile an die jeweils nächste Stelle weiterbefördert. Am gewünschten Ort angekommen, werden sie mit Hilfe von Laufkatzen in den, durch Rückbau der halben Tunnelkonstruktion entstandenen Hallenraum gehoben, wo Maschinen ihrer Arbeit nachgehen. An den Treppenkernen der Großstruktur besteht die Möglichkeit über Oberlichter eine natürliche Belichtung zu schaffen – dort installieren wir Schalträume, von denen Menschen den automatisierten Produktionsablauf überwachen können. Während der Produktionsablauf im Tunnel hauptsächlich digital und maschinell von statten geht, soll der Ergänzungsbau den Tunnel weiterführen, dabei aber für Menschen attraktiv werden. Dies geschieht durch eine große verglaste Holzhalle die im Süden an den Tunnel andockt. Im EG und 1.OG vervollständigen Büroräume und Werkstätten sowie ein Auditorium das Raumprogramm. Dort soll das Innovationszentrum für Forschende und Besucher*innen aus der Zivilgesellschaft eine Plattform für Diskurs, Reallabore und Austausch bieten. Ein weiterer Bestandteil soll das bestehende Parkhaus sein, welches im Süden den östl. Hof der Schlange begrenzt. Über die ehemaligen Parkebenen im Bauch der Schlange ist der Tunnelraum mit dem Parkhaus verbunden. Diese Verbindung soll nun dazu dienen gefertigte Elemente auf den Ebenen des Parkhauses zu installieren und dort zu testen. So wird es zu einer Art Teststrecke und Showroom für Innovationen. Die Bestehende Stahlbetonskeletkonstruktion bietet dafür ein ideales Grundgerüst. Nur die Fassadenplatten die als Sichtschutzelemente gedient haben werden entfernt und machen so ein offenes Raumgefüge auf. Alle Drei Bereiche zusammen bilden das Innovationszentrum welches sowohl den Sanierungsplan der Schlange umsetzt als auch mit seiner urbanen Holzproduktion die Nachverdichtung der umliegenden Stadt lokal und schnell sowie sehr flexibel umsetzten kann.  

Die Master-Thesis wurde von Prof. Jan Kampshoff (Erstgutachter) und Prof. Eike Roswag-Klinge (Zweitgutachter) betreut.